September 15th, 2026
Wie aus einem Einfall ein "kreativer" Prozess wird
Woher kommt eine gute Idee? Manchmal scheint sie plötzlich da zu sein – ein Geistesblitz, ein unerwarteter Zusammenhang, ein Moment, in dem sich etwas zusammenfügt. Gerade im Design wird Kreativität häufig als eine Art innerer Funke beschrieben: intuitiv, schwer greifbar und kaum planbar. Doch was passiert eigentlich im Kopf, wenn aus einem ersten Einfall eine tragfähige Idee wird?
Mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Örjan de Manzano im Rahmen der Gesprächsreihe Thinking Design des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik. Sein Vortrag «From Spark to Process: Eine neurowissenschaftliche Sicht auf Design und Kreativität» nimmt die kreative Arbeit aus einer neurowissenschaftlichen und kognitionspsychologischen Perspektive in den Blick.
Kreativität besteht offenbar aus mehr als dem berühmten «Aha!»-Moment. Während des kreativen Denkens wechseln Menschen fortwährend zwischen unterschiedlichen Modi: Sie entwickeln neue Möglichkeiten, verbinden Bekanntes auf ungewöhnliche Weise, prüfen Ideen und verwerfen oder verändern sie wieder. Genau dieses Wechselspiel zwischen divergenter Ideenfindung und Bewertung steht im Zentrum des Vortrags.
Dabei spielen unter anderem unser assoziatives Gedächtnis und die Fähigkeit, Analogien herzustellen, eine wichtige Rolle. Sie können dabei helfen, neue und überraschende Verbindungen entstehen zu lassen. Gleichzeitig braucht es Aufmerksamkeit, Kontrolle und den Umgang mit Einschränkungen, damit aus einer originellen Idee auch eine sinnvolle und anwendbare Lösung wird.
Das macht Kreativität zu einem Prozess zwischen Offenheit und Begrenzung: Nicht jede Einschränkung verhindert neue Ideen – manche können sie sogar erst ermöglichen.
Spannend wird es dort, wo die Perspektive vom einzelnen Menschen auf den kreativen Prozess als Ganzes erweitert wird. Denn Design entsteht kaum je im luftleeren Raum. Zusammenarbeit, Kritik und digitale oder analoge Design-Tools beeinflussen, welche Ideen entstehen und welche weiterverfolgt werden. Sie können die Suche nach Neuem unterstützen, aber ebenso dazu führen, dass bestimmte Möglichkeiten gar nicht erst in Betracht gezogen werden. Auch Faktoren wie Stimmung, Zeitdruck und die konkrete Aufgabenstellung verändern die Bedingungen, unter denen wir kreativ arbeiten.
Ist wird daher auch der Frage nachzugehen sein, wann Inkubation, iteratives Feedback oder bewusst gesetzte Einschränkungen kreative Prozesse fördern können – und wie sich Kreativität überhaupt sinnvoll messen lässt. Denn eine Idee muss nicht nur neu sein. Im Design muss sie zugleich in einem bestimmten Kontext funktionieren und relevant sein.
Thinking Design
Die Veranstaltung ist Teil der Gesprächsreihe Thinking Design, die das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 veranstaltet. Die Reihe versteht Design nicht allein als gestalterische Praxis, sondern als eine Form des Denkens und Forschens – als ästhetische, materielle und soziale Praxis, die Wahrnehmung prägt und Wissen hervorbringt.
De Manzano ist Senior Researcher am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik und Mitbegründer des Zentrums für Kultur, Kognition und Gesundheit am Karolinska Institutet in Stockholm. In seiner Forschung verbindet er natur- und geisteswissenschaftliche Perspektiven und untersucht unter anderem die neuronalen Grundlagen kreativer Leistungen sowie das Zusammenspiel von kognitiven Fähigkeiten, Persönlichkeit, Motivation und Lebenserfahrung.
Donnerstag, 17. September 2026, 18:30 Uhr
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, ArtLab Foyer
Grüneburgweg 14, 60322 Frankfurt am Main
Vortrag in englischer Sprache