July 3rd, 2026

Gestaltung als Denkraum – Abschlussarbeiten Designtheorie

Am 3. Juli 2026 präsentiert die Hochschule für Gestaltung Offenbach im Rahmen der Diplom- und Master-Show aktuelle Abschlussarbeiten aus dem Fachbereich Design. Neben Entwurfsarbeiten gibt dies auch Einblick in sehr unterschiedliche theoretische und forschende Positionen, die sich im Lehrgebiet Designtheorie mit grundlegenden Fragen von Gestaltung, Wahrnehmung und Systemen auseinandersetzen. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten, die Design nicht als reine Anwendung verstehen, sondern als kritische, analytische, bisweilen spekulative Praxis, die gesellschaftliche, technologische, ökologische und epistemische Zusammenhänge befragt und – hier und da – rekonfiguriert.

Ein zentrales Motiv vieler dieser Forschungsarbeiten ist die Auseinandersetzung mit den Bedingungen, unter denen Gestaltung heute stattfindet. So beschreibt David Paul Wellen in „Design und Unordnung“ Gestaltung als dynamisches Verhältnis von Ordnung und Unordnung, in dem beide Zustände einander bedingen und produktiv ineinandergreifen. Design erscheint hier als kontinuierlicher Prozess des Strukturierens und Neuordnens komplexer Wirklichkeiten, in dem Unordnung weniger als Störung, sondern vielmehr als konstitutive Ressource von Gestaltung verstanden wird.

Ähnlich grundlegend fragt Louis Kitzinger in „Die Form des Möglichen“ nach den Kräften, die aus Ideen reale Produkte werden lassen. Restriktionen – etwa durch Material, Technik, Wissen oder Ökonomie – stellen sich hier als Bedingungen dar, innerhalb derer Gestaltung überhaupt erst Form annimmt.

Mit „Offenheit gestalten“ untersucht Fabian Arnold Offenheit als gestaltbare, mehrdimensionale Qualität im Open Design. Im Zentrum steht eine Taxonomie, die unterschiedliche Formen von Offenheit systematisiert – von materiellen Eigenschaften über Informationen und rechtliche Strukturen bis hin zu Prozessen, Communities und gesellschaftlicher Wirkung.

Die Frage nach Sichtbarkeit und Durchlässigkeit technischer Systeme steht im Zentrum von Hanna Ossenbrink. In „Sichtbare Statik“ wird untersucht, wie konstruktive Zusammenhänge im Produktdesign lesbar gemacht werden können und welche Bedeutung dies für das Verhältnis zwischen Nutzer und Objekt hat.

Auch die Beziehung zwischen Mensch und digitalen Systemen wird in mehreren Arbeiten neu verhandelt. Simon Schmidt-Meinzer analyisert diese Beziehung im Kontext von KI-basierten Systemen als relationale Architektur, in der sich Handlungsmacht, Sichtbarkeit und Verantwortung neu verteilen.

In eine ähnliche Richtung zielt Lea Sophie Krempin, die in hochkomplexen und isolierten Mensch-Maschine-Umgebungen untersucht, wie Gestaltung als regulatorische Instanz wirken kann. Ihre Arbeit entwickelt das Konzept eines „Contingency Designs“, das systemische Unvollständigkeit und Unsicherheit nicht ausblendet, sondern als Grundlage für stabile Interaktion ernst nimmt.

Mit einem eher didaktischen Fokus geht Emelie Trenkler der Frage nach, wie Gestaltungsfreiheit in der Ausbildung überhaupt erfahrbar wird. Statt sie als abstrakten Wert zu definieren, analysiert die Arbeit die strukturellen Bedingungen von Lehre und entwickelt daraus ein Modell, das zeigt, wie Freiheit immer im Verhältnis zu institutionellen, normativen und didaktischen Rahmen entsteht.

Ökologische und more-than-human Perspektiven werden unter anderem in den Arbeiten von Simon Hanke und Seoeun Lee verhandelt. Während die „Zwischenraumgärten“ urbane Restflächen als temporäre ökologische Mikrohabitate aktivieren und damit Stadtnatur im Alltag erfahrbar machen, überträgt Lees Arbeit zur Wiese neuroästhetische Wahrnehmungsqualitäten in gestalterische Prinzipien und versteht Natur als komplexes Wahrnehmungsmodell für Design.

Weitere Arbeiten sind u.a. von David Maurer-Laube, Greta Wagner-Görmar, Hanna Kruse, Niklas Karl und Xinran Yin zu sehen. Ausgewählte Arbeiten werden im Zuge des HfG Rundgangs (10.–12. Juli 2026) in Raum 312 (Designtheorie) ausgestellt.

Plakat: Greta Wagner-Görmar und Lea Sophie Krempin

Am 3.7.2026, 18 Uhr in der Aula der HfG Offenbach, Hauptgebäude.

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