September 25th, 2026

Gegenentwürfe und Topologien demokratischer Praxis

Demokratie findet nicht nur in politischen Institutionen statt. Sie zeigt sich auch im öffentlichen Raum – dort, wo Menschen zusammenkommen, unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und gesellschaftlicher Austausch stattfindet. Plätze, Straßen, Gebäude und andere Orte des Alltags können zu Räumen demokratischer Praxis werden. Gestaltung spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie kann Zugänge ermöglichen, Sichtbarkeit schaffen und Situationen des Austauschs herstellen..

Im Rahmen des fortlaufenden WDC Projektes „Places of Democracy – Orte der Demokratie“, initiiert von Monika Jäger und Astrid Jäger, werden in Offenbach künstlerische und gestalterische Arbeiten an verschiedenen Orten der Stadt gezeigt. Die Arbeiten setzten sich mit den jeweiligen Orten und ihren unterschiedlichen historischen und gesellschaftlichen Bezügen auseinander.

Im Zuge seiner Projektkollaboration mit dem Klingspormuseum und dem Haus für Stadtgeschichte Offenbacht ist das Lehrgebiet Designtheorie der HfG Offenbach beteiligt. Die Zusammenarbeit entstand im Rahmen der Seminare „Demokratie als Raum – Zur Topologie demokratischer Praxis“, „Gegenentwürfe – Politiken des Designs“ und „Sympoietic Design – Koexistenz entwerfen“ von Prof. Dr. Tom Bieling im Sommersemester 2026.

Teilnehemende des Projektes “Demokrataie als Raum” (vorn, v.l.n.r.): Morin Pressler, Jean-Luc Klaukien, Robert Emrich, Lorenz Recken, Arnold Schmidgen, Fuheng Nan, Konrad Kebbel, Yasmine Ben Moussa, Lukas Gall.
Tom Bieling, Eröffnungsimpuls.


Fotos © Simon Malz, 2026.

Beim Eröffnungsrundgang am 28. Mai 2026 wurde u.a. das Projekt SPEAK UP gemeinsam mit den weiteren Arbeiten und Orten vorgestellt. Der Rundgang führte durch Offenbach und verband die unterschiedlichen Projekte mit ihren jeweiligen Standorten. Dabei wurde auch deutlich, wie unterschiedlich demokratische Orte sein können: Manche sind historisch gewachsen oder institutionell geprägt, andere entstehen erst durch eine konkrete Nutzung.

Das Projekt SPEAK UP (Maurer-Laube/Mentzos/Bieling 2026) entstand im Sommersemester 2025 im Seminar „Pro und Contra – Design als Debatte“. Als mobile Speakers’ Corner bringt es einen Ort für öffentliche Rede, Zuhören und Diskussion in den Stadtraum. Die Konstruktion ist nicht an einen festen Standort gebunden und kann dort eingesetzt werden, wo ein solcher Austausch von Nöten ist.

Der Rundgang war damit zugleich eine Fortsetzung der Arbeit aus den Seminaren in den Stadtraum. Aus der theoretischen und gestalterischen Beschäftigung mit Demokratie wurden konkrete Orte und Situationen, an denen sich die Frage nach Öffentlichkeit, Teilhabe und Austausch praktisch erproben lässt.

Im Rahmen des Eröffnungsvortrags im Museumshof des Hauses der Stadtgeschichte stellte Tom Bieling unter anderem das frisch erschienene Buch “Community (&) Design” (Bieling et al. 2026) vor, welches sich mit der Frage beschäftigt, wie Design gesellschaftliche Gemeinschaften prägt und umgekehrt durch sie geprägt wird.

Den Abschluss der Projekt-Kollaboration bildet die von Tom Bieling und Susanne Wieland kuratierte Ausstellung “WAS WIR TEILEN – Designforschung zu Raum und Zusammenleben”, die am 29. Oktober 2026 im Haus der Stadtgeschichte eröffnet wird.


WAS WIR TEILEN (Plakat: Wieland, Foto: Sofia Gal).

References

Bieling, Tom, Jonas, Wolfgang & Loschiavo dos Santos, Maria Cecilia (Eds.) (2026): Community (&) Design: – Material, Spatial, and Social Encounters. Design Meanings 4. Milano: Mimesis International.

Maurer-Laube, David Martin, Zachary Mentzos, Tom Bieling (2026): SPEAK UP – Exploring Open Dialogue Spaces as Tools for Democratic Community Empowerment. in Bieling, Tom, Jonas, Wolfgang & Loschiavo dos Santos, Maria Cecilia (Eds.) (2026):  Community (&) Design: – Material, Spatial, and Social Encounters. Design Meanings. Milano: Mimesis International, pp. 232–233.


Bildquellen:
Fotos © Simon Malz, 2026.
Plakat: Susanne Wieland, 2026.