October 21st, 2026

Fashion und Faschismus

Was Menschen tragen, wie sie sich präsentieren und welche ästhetischen Codes sie verwenden, ist nie völlig losgelöst von gesellschaftlichen Entwicklungen. Gerade im digitalen Raum wird Mode zunehmend dazu genutzt, politische Identitäten sichtbar zu machen, Gemeinschaften zu formen und Botschaften zu verbreiten. Doch was geschieht, wenn sich rechtsextreme Bewegungen dieser ästhetischen Mittel bedienen?

Mit dieser Frage beschäftigt sich die Kulturwissenschaftlerin Elke Gaugele am Donnerstag, 22. Oktober 2026, um 18:30 Uhr am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt. Ihr Vortrag «Fashion und Faschismus – oder welche Rolle spielt Mode für die Demokratie?» durchleuchtet, wie rechtsextreme Ideologien längst nicht mehr ausschließlich über politische Programme oder klassische Propaganda vermittelt werden, sondern auch über Bilder, Stil, Marken, Kleidung und digitale Plattformen ihren Weg in den Alltag finden.

Gaugele untersucht, wie sich im Zuge eines neuen, digitalen Faschismus ein rechtsextremes Modenetzwerk entwickelt hat – und welche Ästhetiken, ökonomischen Strukturen, Plattformen und Strategien dabei eine Rolle spielen. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf Deutschland, sondern auf internationale Zusammenhänge.

Mode wird so zu einem Medium politischer Kommunikation: Sie kann Zugehörigkeit signalisieren, Grenzen zwischen «Wir» und «den Anderen» markieren und Ideologien über ihre ästhetische Oberfläche normalisieren. Gerade diese scheinbare Alltäglichkeit macht das Thema relevant. Denn politische Botschaften müssen nicht immer als solche erkennbar sein, um Wirkung zu entfalten.

Der Vortrag will sich jedoch nicht mit der Analyse rechter Strategien zufriedengeben. Denn dieselben gestalterischen und ästhetischen Möglichkeiten, die für politische Vereinnahmung genutzt werden können, lassen sich auch für demokratische Gegenwehr einsetzen. Designer:innen und zivilgesellschaftliche Initiativen entwickeln eigene Formen des Widerspruchs und setzen Mode bewusst ein, um sich gegen die Verbreitung und Normalisierung rechter Ästhetiken zu positionieren.

Gaugele ist empirische Kulturwissenschaftlerin und Professorin für Moden und Styles an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo wie das Forschungsprojekt «Fashion and the Far Right: The New Complexity in Style» leitet. Zu ihren internationalen Publikationen gehören unter anderem Fashion and Postcolonial Critique und Aesthetic Politics in Fashion. Ihre Monografie Fashion und Faschismus. Zur Ästhetik neurechter Gewalt erscheint 2026.

Der Abend ist Teil der Reihe Thinking Design, mit der das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik Gestaltung als ästhetische, materielle und soziale Praxis untersucht.

Fashion und Faschismus – oder welche Rolle spielt Mode für die Demokratie?
Donnerstag, 22. Oktober 2026
18:30–20:00 Uhr
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik
Grüneburgweg 14, 60322 Frankfurt am Main
Vortrag in englischer Sprache

References